Bystronic richtet seinen strategischen Fokus verstärkt auf das Rohrlaserschneiden und will sich in einem dynamisch wachsenden Marktsegment nachhaltig positionieren. Christoph Rüttimann, Global VP Business Unit Tube & Bending, erläutert die dahinter liegenden Strategien. Das Unternehmen will seinen Marktanteil bis 2030 deutlich ausbauen – und sieht hier in der Software, Automatisierung und dem End-to-End-Denken wichtige Hebel.
Bystronic unternimmt energische Schritte auf dem Markt für Rohrlaserschneiden und strebt ein überdurchschnittliches Wachstum an. Christoph Rüttimann, Global VP Business Unit Tube erläutert, wie das Schweizer Präzisionstechnikunternehmen sein globales Servicenetzwerk, sein modernes Produktportfolio und seinen kundenorientierten Ansatz nutzt, um ein führender Player im Rohrlasermarkt zu werden.
Mit zwei bereits verfügbaren hochmodernen Rohrlasersystemen und einer dritten, geplanten Lösung im mid-range Segment positioniert sich das Unternehmen als umfassender End-to-End-Lösungsanbieter, der bereit ist, andere etablierte Akteure in diesem wachstumsstarken Segment noch stärker herauszufordern.

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Von Blechen zu Rohren und Profilen: Eine strategische Expansion
Der größere Fokus von Bystronic auf das Rohr- und Profilschneidegeschäft ist eine natürliche Entwicklung für ein Unternehmen, das sich in der Branche umfassende Kompetenz im Bereich des Laserschneidens und Biegens von Blechen erarbeitet hat. Die Entscheidung, sich stärker auf dieses Segment zu konzentrieren, basiert sowohl auf technischen Synergien als auch auf den identifizierten Marktchancen. Rohr- und Profilmaterialien bieten Herstellern erhebliche Vorteile in Bezug auf Flexibilität und Stabilität und ermöglichen optimierte Produktionsprozesse in verschiedenen Branchen, vom Transportwesen über das Bauwesen bis hin zur Möbel- und Sportartikelindustrie sowie Automobilindustrie.
Eine wichtige Erkenntnis diesbezüglich ist, dass der Markt für das Schneiden von Rohren und Profilen voraussichtlich schneller wachsen wird als der Markt für das herkömmliche Laserschneiden von Blechen, wobei die globale Marktgröße bis 2030 voraussichtlich eine Milliarde US-Dollar übersteigen wird.
„Man kann verschiedene Arbeitsschritte einsparen, die bei der Bearbeitung von Flachblechen nicht möglich wären“, erklärt Rüttimann und nennt als Beispiel die Herstellung von Traktorkabinen, bei der Rohrmaterialien mehrere Schweiss- und Biegeprozesse überflüssig machen.
Das Unternehmen hat 2018 den italienischen Nischenanbieter TTM Laser übernommen und in den vergangen eineinhalb Jahren seine Herangehensweise an den Rohrmarkt grundlegend geändert. In der Folge strebt Bystronic bis 2030 einen deutlich größeren Marktanteil im zweistelligen Prozentbereich an. Rüttimann beschreibt dieses Ziel zwar als ehrgeizig, aber angesichts der Stärken und der Marktabdeckung von Bystronic als erreichbar.
Nutzung der Kernkompetenzen in einem wettbewerbsintensiven Umfeld
Worauf basiert bei Bystronic das Vertrauen für eine so aggressive Wachstumsstrategie? Laut Rüttimann baut man zum einen auf den guten Ruf, den man sich bei den Kunden und in der Branche bisher erarbeitet hat, außerdem auf die Fähigkeit des Unternehmens, Technologien und Prozesse weiterzuentwickeln und zu verbessern. Außerdem ist Kundennähe eine der ganz zentralen Prioritäten des Schweizer Unternehmens, die sich auch ganz praktisch in 30 Vertriebs- und Serviceniederlassungen weltweit manifestiert. Das globale Servicenetzwerk und die End-to-End-Lösungskompetenz von Bystronic heben das Unternehmen laut Rüttimann aus dem Wettbewerbsumfeld hervor und setzen es in erheblichem Maße insbesondere von neuen Marktteilnehmern aus Asien ab.
„Die erste Maschine wird immer vom Verkäufer verkauft, aber die zweite und dritte Maschine werden vom Kunden aufgrund von gutem Service weiterempfohlen“, betont Rüttimann und unterstreicht damit die Bedeutung eines starken Kundendienstes. Diese Strategie verfolgt Bystronic konsequent und konzentriert sich darauf, kundenorientierte Innovation voranzutreiben und in diesem Zuge hoch funktionale, optimal in das geplante Produktionsumfeld des Kunden passende Anlagen aufzubauen – mit einer maximalen Verfügbarkeit. Ebenfalls Priorität misst der schweizer Anlagenbauer einer intuitiven Bediensoftware zu. Ausschließlich über den Preis gegen Billiganbieter zu konkurrieren, sieht Bystronic nicht als zielführende Strategie an.

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Zwei Systeme, eine Vision: Abdeckung des gesamten Marktspektrums
Bystronic hat zwei unterschiedliche Rohrlaserschneidsysteme auf den Markt gebracht, um verschiedene Marktsegmente anzusprechen:
ByTube Star 130 richtet sich an Hersteller mit hohem Produktionsvolumen, die täglich Hunderte bis Tausende von Teilen produzieren. Es ist laut Bystronic derzeit das schnellste und präziseste System auf dem Markt und wird in Branchen wie Möbel, Regale, Fitnessgeräte und Automobilkomponenten eingesetzt.
ByTube Star 330, im April 2025 bei einer Veranstaltung in Italien vorgestellt, richtet sich an traditionelle Bystronic-Kunden: Auftragsfertiger, die maximale Flexibilität benötigen. Diese End-to-End-Lösung verarbeitet Rohre mit einem Durchmesser von 19 mm bis 324 mm in verschiedenen Wandstärken und kleinen bis mittleren Losgrößen und verfügt über fortschrittliche Funktionen wie integrierte Gewindebohr- und Senkfunktionen. Mit rund 140 verschiedenen modularen Kombinationsmöglichkeiten können Kunden maßgeschneiderte Lösungen aus standardisierten Bausteinen konfigurieren – ähnlich wie bei Lego, so beschreibt es Rüttimann.
„Erfreulicherweise kam es bei der Markteinführung der ByTube Star 330 in Italien zu sofortigen Bestellungen und einem sehr positiven Kundenfeedback, mit überall strahlenden Gesichtern und starkem Folgeinteresse von Kunden aus Europa, Nordamerika und dem asiatisch-pazifischen Raum“, berichtet Rüttimann. „Wir sehen grundsätzlich eine sehr starke Nachfrage nach diesem Produkt auf der ganzen Welt.“ Neben den Leistungsdaten der hauseigenen Technologie führt er den Erfolg unter anderem auf mehrere erfolgreiche Kundenworkshops zurück, die während der Entwicklungsphase durchgeführt wurden.
Die Lücke schliessen: Neue Entwicklungen für das mittlere Preissegment
Darüber hinaus hat Bystronic im mittleren Preissegment eine Marktchance ausgemacht und entwickelt derzeit ein drittes Rohrlaserschneidsystem für genau dieses Segment, das die hohe Flexibilität der ByTube Star 330 mit den Geschwindigkeitsvorteilen der ByTube Star 130 kombiniert. Dieses System, dessen Feldtests für Ende 2027 und dessen Markteinführung für Anfang 2028 geplant sind, wird sich laut Rüttimann an den „grössten Markt, den wir bedienen können” richten, gleichzeitig aber auch dem härtesten Wettbewerb ausgesetzt sein. Rüttimann betont explizit, dass Kundenfeedback bei Bystronic ein wesentlicher Treiber der Produktentwicklung ist. Umfangreiche Marktforschung und Kundenworkshops sollen auch bei der Neuentwicklung sicherstellen, dass das System von vorneherein die tatsächlichen Marktanforderungen und damit den Kundenwünschen entsprechen, bevor die Hauptentwicklung begonnen wird. Dieses Prozedere verfolgt der Schweizer Maschinenhersteller konsequent bei allen neuen Systemen.
„Wir wollen grundsätzlich keinen Technologietransfer betreiben. Wir wollen auf den Markt reagieren, auf das, was unsere Kunden wirklich brauchen“, betont Rüttimann. „Deshalb beziehen wir Kunden so gut wie möglich auch in früheste Phasen der Produktentwicklung ein.“
Software wichtig für Kundenwahrnehmung
Die Maschinenleistung ist zwar natürlich sehr wichtig, aber Rüttimann betont, dass die Software mindestens 50 Prozent der Kundenwahrnehmung ausmacht. Das ist nachvollziehbar, da die Software die Hauptschnittstelle zwischen Anwender und Maschine bildet. Insbesondere wenn es um das Anlernen von Bediener geht, beschleunigt eine intuitive, leicht nachzuvollziehende Software diesen Prozess. Rüttimann geht davon aus, dass Bediener mit Erfahrung in der Rohrindustrie innerhalb weniger Wochen die Software-Logik der hauseigenen Produkte verinnerlicht haben und damit die Möglichkeiten einer Bystronic-Anlage umfassend ausnutzen können. Erfahrungen zeigen insgesamt, dass je weniger Vorwissen Bediener mitbringen, eine gut abgestimmte, intuitive Bedienungssoftware den Lernprozess stark fördern kann – wenn eine Software dagegen zu komplex ist und verschachtelte Bedienstrukturen enthält, sind entsprechende Hemmungen und Verzögerungen buchstäblich vorprogrammiert.
Bystronic investiert deshalb viel Energie und Aufwand in intuitive, benutzerfreundliche Software, mit der auch weniger erfahrene Bediener schnell optimale Schnittergebnisse erzielen können. Darüber hinaus bieten die End-to-End-Lösungen von Bystronic weitere fortschrittliche Funktionen, die die Produktion leichter machen können. Dazu gehört das Ausgleichen von gekrümmten oder verdrehten Profilen und Rohren per Laserscanning. Auch gibt es integrierte Markierungsfunktionen, die Teile automatisch beschriften. Sehr hilfreich ist auch die Option „Quick Cut“, da sie sowohl die Schnittgeschwindigkeit als auch die Genauigkeit signifikant erhöht.
Die Integration in Produktionsumgebungen durch Automatisierung ist bei allen Systemen Standard, zur Verfügung stehen Bündellader oder Kettenlader, die schwere Rohre mit einem Gewicht von mehreren hundert Kilogramm handhaben können. Der Intralogistik hilft eine intelligente Sortierung im Entladebereich auf die Sprünge.
Regionaler Fokus und Zukunftsaussichten
Die Nachfrage ist derzeit in Nordamerika am stärksten, mit großem Interesse aus Südeuropa (insbesondere Spanien und Italien), sowie Großbritannien. Deutschland und die Schweiz zeigen vielversprechende lokale Aktivitäten, während in Frankreich, den Benelux-Ländern und Österreich weiterhin Chancen bestehen. Bystronic plant ebenfalls, seine Marktpräsenz in der APAC-Region auszubauen, wobei der Schwerpunkt zunächst auf dem koreanischen Markt liegen soll. Einer der Höhepunkte in Europa wird in jedem Fall die Teilnahme an der Tube Düsseldorf im April sein. „Der Schwerpunkt liegt auf der Umsetzung des Vertriebs – wir wollen unseren Kunden helfen, die richtigen End-to-End-Lösungen zu finden und gleichzeitig alle Funktionen der neuen Systeme zu perfektionieren. Innovation ist der Schlüssel. Als Schweizer Unternehmen müssen wir darauf den Fokus setzen. Wir müssen unsere Produkte immer besser machen und neue Funktionen entwickeln, die wirklich auf unsere Kunden zugeschnitten sind“, fasst Rüttimann zusammen und zeigt sich zuversichtlich, dass die kontinuierliche und engagierte technische Entwicklung in allen relevanten Bereichen Bystronic eine starke Position für den zukünftigen Erfolg auf dem Rohrlasermarkt verschaffen wird.
Bystronic auf der Tube 2026: Halle 6, Stand C26
Web:
www.bystronic.com

