Kalt geschnitten, korrekt gewärmt

Dillinger produziert Difender-Bleche aus legierten Vergütungsstählen. © Dillinger
Dillinger produziert Difender-Bleche aus legierten Vergütungsstählen. © Dillinger

2.700.000.000.000 US-Dollar haben die weltweiten Rüstungsausgaben laut dem Stockholmer Sipri-Institut im Jahr 2024 erreicht – Tendenz steigend. Auf den wachsenden Bedarf an gepanzerten Fahrzeugen, Geschützen und Kampfjets haben die europäischen Stahlhersteller reagiert und zahlreiche neue Stahlgüten für die Rüstungsindustrie auf den Markt gebracht.

Doch was heißt das für die Verarbeitung der Stähle, vor allem für das Schweißen und Schneiden? Im Interview mit der Messe Urban Steel Expo, organisiert von der Messe Düsseldorf, erläutert Marc Rixecker, Senior Manager Marketing Dillinger Saarstahl/SHS – Stahl-Holding Saar, worauf es ankommt.

Was ist beim Schweißen und Schneiden von Sicherheitsstählen zu beachten?

Grundsätzlich handelt es sich bei unseren Difender Güten um legierte Vergütungsstähle, die gut zu verarbeiten sind im Hinblick auf Trennen, Schweißen, Biegen oder der mechanischen Bearbeitung. Einige Kenntnisse in der Verarbeitung sollten jedoch Voraussetzung sein. Beim Schneiden ist besonders auf das richtige Vorwärmen beziehungsweise Nachwärmen zu achten. Je nach Güte, je härter und höher legiert, sollten diese möglichst „kalt“ geschnitten werden, beispielsweise auf Wasserstrahlanlagen, um den Wärmeeintrag so gering wie möglich zu halten. Auch das Personal, das diese Stähle verarbeitet, sollte entsprechende Kenntnisse besitzen oder geschult werden.

Welche Fähigkeiten müssen Schweißer und die Bediener von Schneidgeräten besitzen?

Es sollten möglichst erfahrene Bediener sein. Je nach Aufgabengebiet und Anforderung an das geschweißte Teil müssen diese auch gesondert geschult werden und eine qualifizierte Prüfung ablegen nach DIN 2303, zum Beispiel die Q3. Diese Norm müssen Betriebe erfüllen, die mit Panzerwerkstoffen arbeiten.

Wie und wo kann man sich für die Verarbeitung der genannten Stähle ausbilden lassen?

Maßgeblich ist die DIN 2303. Man muss Rücksprache mit dem WiWeb (Wehrwissenschaftliches Institut für Werk- und Betriebsstoffe) und der WTD (Wehrtechnische Dienststelle) der Bundeswehr halten. Dann kann man einen Qualifizierungsprozess durchlaufen. Es gibt Unternehmen, die sich auf die Ausbildung von Schweißern nach Q3 spezialisiert haben. Hier können die entsprechenden Mitarbeiter geschult werden.

Welche Schweiß- und Schneidverfahren werden vorwiegend angewandt?

Beim Schneiden sind je nach Güte und Dicke des Difender-Blechs Autogen-, Plasma-, Laser- oder Wasserstrahlschneiden möglich. Beim Schweißen wird in der Regel das Verfahren MAG-Schweißen angewandt, das bei hochlegierten Stählen weit verbreitet ist.

Marc Rixecker ist Senior Manager Marketing Dillinger Saarstahl. © Dillinger
Marc Rixecker ist Senior Manager Marketing Dillinger Saarstahl.
© Dillinger

In welchen Bereichen wächst die Nachfrage nach Sicherheits- und Panzerstählen besonders?

Die steigende Nachfrage nach unseren Difender Güten reicht vom zivilen bis zum militärischen Bereich: von geschützten Limousinen und Geldtransportern bis hin zu gepanzerten Fahrzeugen des Militärs.

Haben Sie noch einen grundsätzlichen Tipp für die Verarbeiter von Sicherheitsstählen?

Am besten im Vorfeld Rücksprache mit dem Stahl- beziehungsweise Blechproduzenten halten, die entsprechenden Verarbeitungshinweise berücksichtigen und geschultes Personal einsetzen.

Neue Messe für Schweißen und Schneiden

Welche Trends die Welt des Schweißens und Schneidens verändern, zeigt die Urban Steel Expo 2027. The Ultimate World of Cutting and Welding – Urban Steel Expo, kurz USE, ist der neue Treffpunkt für Profis aus den Bereichen Schweißen und Schneiden. Das neue Messeformat hat vom 20. bis 23. April 2027 seine Premiere auf dem Gelände der Messe Düsseldorf.

Web:
www.use-expo.de

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