Software vernetzt die Prozesse

Die Übersicht in Echtzeit in Lantek Bend zeigt den Workflow und alle Benutzerinformationen an einem Ort an. © Lantek
Die Übersicht in Echtzeit in Lantek Bend zeigt den Workflow und alle Benutzerinformationen an einem Ort an. © Lantek

Die Unterstützung digitaler Prozessketten in der Blechfertigung steht im Fokus der neuen Version der Software-Suite von Lantek. Neue Funktionen für Fasenschneiden, Verschachtelung, Biegeprozesse und Angebotskalkulation sowie Kooperations- und KI-Projekte zielen auf höhere Prozesssicherheit, Ressourceneffizienz und einen durchgängigen Informationsfluss.

Digitale Fertigungsprozesse in der Blechbearbeitung entwickeln sich zu durchgängigen Prozessketten, die Konstruktion, Arbeitsvorbereitung, Fertigung und Auftragsmanagement verbinden. Mit der Version 45 seiner Software-Suite erweitert Lantek mehrere Anwendungen für CAD/CAM, Kalkulation und Biegeplanung. Ergänzt werden diese Entwicklungen durch eine Automatisierungskooperation mit dem Maschinenhersteller Tecoi sowie ein Forschungsprojekt zu agentenbasierter künstlicher Intelligenz.

Erleichterung für die Konstruktion: Mit dem Zeichenmodul in Lantek Expert können sowohl Standard- als auch 3D-Fasen für ein und dasselbe Teil erstellt werden. © Lantek
Erleichterung für die Konstruktion: Mit dem Zeichenmodul in Lantek Expert können sowohl Standard- als auch 3D-Fasen für ein und dasselbe Teil erstellt werden.
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Erweiterte Funktionen für das Fasenschneiden

Das Fasenschneiden wird in der Blechfertigung wichtiger, weil sich Schweißkanten bereits während des Schneidprozesses herstellen lassen und nachgelagerte Bearbeitungsschritte entfallen. Zudem ermöglichen Fasen größere Schweißflächen und tragen je nach Anwendung zur Festigkeit der Verbindung bei.

Mit Version 45 von Lantek Expert wurde das Zeichenmodul erweitert. Anwender können nun an einem Bauteil sowohl Standard- als auch dreidimensionale Fasen kombinieren. Dadurch lassen sich Werkstücke mit unterschiedlich ausgeführten Kanten innerhalb eines Modells konstruieren.

Eine weitere Neuerung betrifft das Schneiden von Y-Fasen. Das System prüft automatisch, ob benachbarte Werkstücke mit gemeinsam genutzten Fasenkanten in einem Arbeitsgang gefertigt werden können. Ist dies möglich, wird der Abstand zwischen den Teilen angepasst. Dadurch lassen sich Materialeinsatz, Bearbeitungszeit und Verschnitt reduzieren. Die Funktion ergänzt den bereits eingeführten Sparschnitt für V-Nähte.

Eine weitere Erweiterung betrifft die automatische Verschachtelung. Bislang konnten Bauteile nur entsprechend eines vorgegebenen Rotationsrasters platziert werden. Künftig lässt sich zusätzlich eine Rotations-Toleranz definieren.

Ist beispielsweise eine Drehung um 180° vorgesehen, können mit einer Toleranz von 2° zusätzlich die Positionen 178° bis 182° sowie 358° bis 2° in Schritten von 1° berücksichtigt werden. Vor allem bei kleineren Laserschneidteilen entstehen dadurch zusätzliche Platzierungsmöglichkeiten, die eine bessere Materialausnutzung ermöglichen.

Die Kalkulationssoftware I-Quoting erstellt Angebote mit reellen Preisen und Lieferzeiten. © Lantek
Die Kalkulationssoftware I-Quoting erstellt Angebote mit reellen Preisen und Lieferzeiten.
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Kalkulation auf Basis realer Fertigungsdaten

Auch die Angebotserstellung rückt stärker in den Fokus der Digitalisierung. Während Kalkulationen bislang häufig auf Erfahrungswerten, Tabellen und persönlichem Fachwissen basierten, steigen die Anforderungen durch kurze Reaktionszeiten und Wettbewerbsdruck.

Die Software Lantek I-Quoting berücksichtigt deshalb Daten aus der tatsächlichen Fertigung für das Angebot. Grundlage bilden unter anderem Informationen über Materialausnutzung, Verschachtelungsstrategien, Maschinenlaufzeiten und Produktionshistorien. Für die Kostenschätzung kombiniert die Software regelbasierte Verfahren mit prozessbezogenen Berechnungsmodellen sowie – sofern ausreichende Daten vorhanden sind – Machine-Learning-Methoden.

Stehen zunächst nur wenige historische Daten zur Verfügung, arbeitet das System mit parametrierten Unternehmensregeln. Mit zunehmender Datenbasis kann die Genauigkeit der Kalkulation verbessert werden. Ziel ist es, die Abweichung zwischen kalkulierten Angebotspreisen und späteren Fertigungskosten zu verringern sowie die Konsistenz der Angebote zu erhöhen.

Mit Version 45 wurde außerdem das Biegemodul Lantek Bend in die Software-Suite integriert. Dadurch können Daten zwischen Konstruktion, Schneidplanung, Biegeprozess, Fertigungssteuerung (MES) und ERP-Systemen ohne manuelle Zwischenschritte ausgetauscht werden.

Anwender können 3D-Modelle entweder über Lantek Expert oder direkt in Lantek Bend übernehmen. Dort werden Abwicklung, Biegesimulation und Plausibilitätsprüfung durchgeführt. Das System erkennt unterschiedliche Biegearten automatisch und bezieht passende Werkzeuge in die Simulation ein.

Für die Berechnung nutzt die Software unter anderem Materialdaten, Werkzeugparameter und kundenspezifische Erfahrungswerte. Die Berechnungen basieren auf der Finite-Elemente-Methode (FEM). Zusätzlich stehen Werkzeugbibliotheken sowie Datensätze verschiedener Maschinen- und Werkzeugkonfigurationen zur Verfügung. Die erzeugten Fertigungsdaten werden in der Software-Suite gespeichert und stehen den nachgelagerten Anwendungen zur Verfügung.

CAD/CAM-Software steuert Roboter

Mit dem Maschinenhersteller Tecoi hat Lantek außerdem ein automatisiertes System zur Entnahme und Palettierung geschnittener Blechteile entwickelt. Das System ist Bestandteil des Tecoi-Projekts Sortec.

Während der Schneidprozess weiterläuft, transportiert ein servogesteuerter Kran das Material zu Robotern mit adaptiven Greifern. Die CAD/CAM-Software übernimmt dabei die Steuerung der Werkstückentnahme und organisiert die Bauteile entsprechend ihrer Geometrie und Ausrichtung. Identische Teile werden gemeinsam palettiert, was die Rückverfolgbarkeit und den Materialfluss in den nachgelagerten Prozessen unterstützt.

Die modulare Architektur erlaubt es, zusätzliche Robotereinheiten einzubinden und den Materialdurchsatz anzupassen.
Über die Softwareentwicklung hinaus beteiligt sich Lantek gemeinsam mit dem Technologiezentrum Ikerlan am Forschungsprojekt Galaxia. Ziel ist die Entwicklung einer agentenbasierten KI-Architektur, die industrielle Prozesse nicht nur analysiert, sondern eigenständig koordinieren und ausführen kann.

Das Projekt wird im Rahmen des baskischen Hazitek-Programms gefördert und soll Unternehmen größere technologische Unabhängigkeit ermöglichen sowie die Anforderungen des europäischen AI Acts berücksichtigen. Neben Lantek und Ikerlan beteiligen sich Unternehmen aus den Bereichen Handel, Automatisierung, Sicherheitstechnik und industrieller Fertigung.

Die Architektur basiert auf spezialisierten KI-Agenten, die Aufgaben wie Analyse, Planung, Überwachung und Ausführung arbeitsteilig übernehmen. Mögliche Einsatzfelder reichen von der automatisierten Angebotserstellung über Bildverarbeitung bis hin zur Unterstützung wiederkehrender industrieller Abläufe. Dabei soll künstliche Intelligenz vor allem standardisierbare und analytische Aufgaben übernehmen und Fachkräfte bei Planung, Überwachung und Entscheidungsprozessen unterstützen.

Web:
www.lantek.com