Mit dem 44. EFB-Kolloquium Blechverarbeitung hat die Europäische Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung e. V. (EFB) in Würzburg erneut ein zentrales Forum für den Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie geschaffen. Die Veranstaltung war laut Organisator von einer sehr guten Teilnehmerresonanz und einer hohen Qualität der Fachdiskussionen geprägt.
Experten aus Forschung, Entwicklung und Industrie nutzten das Kolloquium, um aktuelle Entwicklungen, technische Herausforderungen und Lösungsansätze für die Blechverarbeitung zu diskutieren. Das Programm machte deutlich, an wie vielen Stellschrauben die Branche derzeit parallel arbeitet. Im Mittelpunkt standen Fragen der klimaverträglicheren Werkstoff- und Prozessgestaltung ebenso wie der Einsatz Künstlicher Intelligenz in Produktion und Fertigung. Diskutiert wurden unter anderem Ansätze für eine CO2-arme Stahlproduktion, die technischen Konsequenzen so genannter grüner Werkstoffe für die Weiterverarbeitung sowie der Einsatz generativer KI und KI-gestützter Prozessoptimierung im Presswerk. Weitere Vorträge widmeten sich sensorbasierten Bewertungen in der Blechumformung, Strategien zur Materialcharakterisierung und -validierung, adaptiven Fügeverfahren, datenbasierter Maschinenintelligenz sowie digitalen Zwillingen für Fertigung und Logistik.
Fragestellungen direkt auf der Industrie
Darüber hinaus rückte das Kolloquium Themen in den Fokus, die für die industrielle Praxis an Bedeutung gewinnen: die In-line-Detektion von Werkzeugverschleiß, Fragen regulatorischer Rahmenbedingungen wie der mögliche PFAS-Bann, die Bewertung von Legierungsvariationen zur Stärkung der Rohstoffresilienz sowie Konzepte der Kreislaufwirtschaft. Gerade die Beiträge zur Weiterverarbeitung von Altauto-Blechen und Produktionsschrotten sowie zu neuen datenbasierten Ansätzen in der Umformtechnik zeigten, wie eng Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und technische Innovationsfähigkeit miteinander verknüpft sind.
„Das Kolloquium hat gezeigt, wie tiefgreifend sich die Blechverarbeitung derzeit verändert. Von der Dekarbonisierung der Werkstoffe über intelligente Prozesse bis hin zur Kreislaufwirtschaft geht es längst nicht mehr um Einzelthemen, sondern um das Zusammenspiel vieler Entwicklungen. Besonders wertvoll ist dabei der direkte Austausch zwischen Forschung, Entwicklung und industrieller Anwendung“, sagt Dr.-Ing. Daniel Rosenbusch, Geschäftsführer der EFB.
Preisverleihung zeigt Potenzial der Wissenschaft
Insgesamt standen fünf fachliche Sessions mit 18 Vorträgen auf dem Programm. Ergänzt wurde die Veranstaltung durch eine begleitende Fachausstellung. Am ersten Veranstaltungstag fand zudem die turnusgemäße Mitgliederversammlung der EFB statt.
Ein Höhepunkt des Kolloquiums war die Verleihung der EFB-Exzellenzpreise im Rahmen der Abendveranstaltung. Ausgezeichnet wurden:
• Dr.-Ing. Jan Wippermann, Laboratorium für Werkstoff- und Fügetechnik (LWF) der Universität Paderborn, für die Arbeit „Entwicklung einer Methode zur Prognose der Verschraubungsparameter von Blechschraubverbindungen“
• M. Sc. Tianyou Liu, Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen (utg) der Technischen Universität München, für die Arbeit „Bewertung des Versagens bei Biegeoperationen vorgedehnter Bleche“
• M. Eng. Gerd Reichardt, Institut für Umformtechnik (IFU) der Universität Stuttgart, für die Arbeit „Werkzeugbauweisen für das Tiefziehen mit flüchtigen Schmiermedien“
Am folgenden Vormittag stellten die Preisträger ihre Projekte in Kurzvorträgen vor und gaben dem Fachpublikum Einblicke in die wissenschaftlichen Ansätze, die industrielle Relevanz und das Anwendungspotenzial ihrer Arbeiten.
Web:
www.efb.de

